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Du hast deine Ausbildung abgeschlossen und möchtest jetzt studieren? Die Finanzierung wird komplizierter, wenn du nicht mehr als Erststudent giltst. Beim Zweitstudium finanzieren stehen dir aber mehr Optionen offen als gedacht – besonders weil du bereits Berufserfahrung mitbringst.

Die gute Nachricht: Nach einer abgeschlossenen Ausbildung bist du oft elternunabhängig förderungsberechtigt. Das bedeutet weniger Papierkram und mehr Planungssicherheit. Rund 38.000 Studierende in Deutschland finanzieren aktuell ihr Studium nach vorheriger Berufsausbildung – Tendenz steigend.

Welche staatlichen Förderungen gibt es für das Zweitstudium finanzieren?

Nach deiner Ausbildung zählst du unter bestimmten Bedingungen als förderungswürdig. Die wichtigste Voraussetzung: mindestens drei Jahre Berufserfahrung nach Abschluss der Ausbildung. Dann hast du Anspruch auf elternunabhängiges BAföG mit bis zu 934 Euro monatlich.

Beim Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz – besser bekannt als Aufstiegs-BAföG – kannst du bis zu 15.000 Euro Förderung erhalten. Diese Förderung gilt nicht nur für Meisterkurse, sondern auch für weiterführende Studiengänge. Der Zuschussanteil liegt bei 50 Prozent, die restlichen 50 Prozent sind ein zinsgünstiges Darlehen.

Das Weiterbildungsstipendium richtet sich gezielt an Berufserfahrene unter 25 Jahren. Du bekommst 8.700 Euro verteilt auf drei Jahre – das sind 2.900 Euro pro Jahr für Studiengebühren, Fachliteratur oder Prüfungskosten. Voraussetzung ist ein Berufsabschluss mit mindestens 87 Punkten oder besser als "gut".

Elternunabhängige Förderung nach der Ausbildung

Wenn du nach deiner Ausbildung mindestens fünf Jahre erwerbstätig warst – davon mindestens drei Jahre nach Abschluss – kannst du elternunabhängig studieren. Deine Förderhöhe hängt dann ausschließlich von deinem eigenen Einkommen und Vermögen ab.

Die Einkommensgrenze liegt bei 6.251 Euro pro Jahr. Darüber hinaus wird dein BAföG-Satz gekürzt. Vermögen bis 15.000 Euro bleibt anrechnungsfrei – ein deutlicher Vorteil gegenüber regulären Studierenden, die nur 8.200 Euro besitzen dürfen.

Kredite und Darlehen: Zweitstudium finanzieren ohne staatliche Hilfe

Der KfW-Studienkredit steht auch Zweitstudierende offen. Du kannst zwischen 100 und 650 Euro monatlich wählen und das Geld flexibel einsetzen. Der aktuelle Zinssatz liegt bei 5,53 Prozent effektiv (Stand März 2024). Die Förderungshöchstdauer beträgt 14 Semester.

Ein großer Vorteil: Die KfW prüft keine Bonität und verlangt keine Sicherheiten. Du kannst den Kredit bis zum 44. Lebensjahr beantragen – ideal für Quereinsteiger. Mehr Details findest du in unserem Artikel zum Bildungskredit ohne BAföG.

Private Studienkredite bieten oft höhere Summen, sind aber teurer. Die DKB vergibt bis zu 50.000 Euro Gesamtförderung bei Zinsen ab 4,99 Prozent. Die Deutsche Bank bietet spezielle Konditionen für Berufserfahrene mit Sätzen ab 4,75 Prozent an.

Studienkredite im Detail vergleichen

Achte auf diese Faktoren: Auszahlungsdauer, Karenzphase und Rückzahlungsmodalitäten. Die KfW bietet 18 Monate Karenzphase nach Studienende. Danach zahlst du mindestens 20 Euro monatlich zurück – bei maximaler Rückzahlung sind es 10.000 Euro pro Jahr.

Bei privaten Studienkrediten variieren die Bedingungen stark. Vergleiche mindestens drei Angebote, bevor du unterschreibst. Der Effektivzins macht den Unterschied – 1 Prozent mehr bedeutet bei 30.000 Euro Kreditsumme rund 4.500 Euro Mehrkosten über 10 Jahre.

Stipendien speziell für Berufserfahrene beim Zweitstudium finanzieren

Viele Stiftungen bevorzugen Bewerber mit Praxiserfahrung. Die Studienstiftung des deutschen Volkes vergibt 300 Euro Grundstipendium plus 300 Euro Büchergeld – unabhängig vom Einkommen der Eltern. Berufserfahrene haben hier bessere Chancen durch nachweisbare Motivation.

Das Deutschland-Stipendium bringt 300 Euro monatlich für mindestens zwei Semester. Deine Ausbildung und Berufstätigkeit zählen positiv in der Bewertung. Über 28.000 Studierende profitieren bundesweit von diesem Programm.

Folgende Organisationen vergeben gezielt an Zweitstudierende:

  • Hans-Böckler-Stiftung: bis zu 1.348 Euro monatlich für Gewerkschaftsmitglieder mit gesellschaftlichem Engagement
  • Friedrich-Ebert-Stiftung: Vollstipendium für Bewerber mit klarer politischer Orientierung und sozialem Hintergrund
  • Konrad-Adenauer-Stiftung: Förderung christlich-demokratisch orientierter Studierender mit Berufserfahrung
  • Rosa-Luxemburg-Stiftung: Unterstützung für Studierende mit linkem politischem Profil

Arbeitgeber als Finanzierungsquelle für dein Studium

Zweitstudium finanzieren: Wege nach der Ausbildung

Viele Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeiter beim berufsbegleitenden Studium. Die Deutsche Bahn übernimmt bis zu 5.000 Euro Studiengebühren pro Jahr bei Studiengängen mit Bezug zur Tätigkeit. Dafür verpflichtest du dich, mindestens zwei Jahre nach Abschluss im Unternehmen zu bleiben.

Bei Daimler gibt es bis zu 3.600 Euro jährlich plus Freistellung für Prüfungen. Auch kleine und mittelständische Unternehmen bieten oft individuelle Lösungen – frag konkret nach Weiterbildungsbudgets in deiner Personalabteilung.

Das Modell "Studium mit vertiefter Praxis" kombiniert Theorie und Arbeit. Du verdienst während des Studiums 800 bis 1.400 Euro monatlich und sammelst gleichzeitig ECTS-Punkte. Besonders in technischen Fachrichtungen ist dieses Modell verbreitet.

Praktische Spartipps beim Zweitstudium finanzieren

Als Berufserfahrener hast du oft Ersparnisse. Nutze sie intelligent: Zahle Semesterbeiträge frühzeitig, um Mahngebühren zu vermeiden. Das Semesterticket kostet zwischen 180 und 380 Euro – eine Investition, die sich durch eingesparte Fahrtkosten schnell amortisiert.

Deine Ausbildungskosten sind steuerlich absetzbar. Als Zweitstudium gilt dein Studium als Fortbildung – alle Kosten werden als Werbungskosten anerkannt. Das bedeutet: Studiengebühren, Fachliteratur, Fahrtkosten und sogar ein häusliches Arbeitszimmer kannst du geltend machen.

Der durchschnittliche Student gibt laut Deutschem Studentenwerk 867 Euro monatlich aus. Als Berufserfahrener brauchst du oft mehr, da Familienrabatte wegfallen. Plane realistisch mit 1.000 bis 1.200 Euro inklusive Miete.

Nebenverdienst während des Zweitstudiums

Mit deiner Qualifikation verdienst du mehr als ungelernte Werkstudenten. Fachinformatiker bekommen 16 bis 20 Euro pro Stunde, kaufmännische Fachkräfte 14 bis 18 Euro. Bei 20 Wochenstunden sind das 1.280 bis 1.600 Euro monatlich.

Beachte die 20-Stunden-Regel: Wer mehr arbeitet, verliert den Studierendenstatus bei der Krankenversicherung. In den Semesterferien darfst du unbegrenzt arbeiten. Diese Zeit nutzen viele für Intensiv-Phasen mit 40 Wochenstunden.

Wie beantrage ich Förderung für mein Zweitstudium?

Der BAföG-Antrag für Berufserfahrene umfasst zusätzliche Formulare. Du brauchst Nachweise über deine Ausbildung, Arbeitszeugnisse und Einkommensnachweise der letzten fünf Jahre. Das Studentenwerk bearbeitet Anträge innerhalb von sechs bis acht Wochen.

Beim Aufstiegs-BAföG wendest du dich an die zuständige Stelle deines Bundeslandes. In Bayern ist das beispielsweise die Regierung von Oberbayern, in NRW die Bezirksregierungen. Die vollständigen Antragsformulare findest du auf aufstiegs-bafoeg.de.

Für das Weiterbildungsstipendium bewirbt man sich über die ehemalige Ausbildungsstelle oder Industrie- und Handelskammer. Die Frist endet meist drei Monate nach Berufsabschluss – plane rechtzeitig. Mehr Informationen unter sbb-stipendien.de.

Häufige Fehler beim Zweitstudium finanzieren vermeiden

Zweitstudium finanzieren: Wege nach der Ausbildung

Viele unterschätzen den Zeitaufwand für Anträge. BAföG-Formblatt 1 allein hat 10 Seiten, dazu kommen Einkommensnachweise und Bescheinigungen. Starte mindestens vier Monate vor Studienbeginn mit der Beantragung.

Ein zweiter Fehler: Mehrere Kredite parallel aufnehmen. Die monatlichen Raten summieren sich schnell. Bei 300 Euro KfW-Kredit plus 200 Euro Privatkredit zahlst du nach dem Studium mindestens 520 Euro zurück – ein Viertel eines Einstiegsgehalts.

Prüfe auch deinen Versicherungsstatus. Über 25-Jährige ohne Familienversicherung zahlen als Studenten mindestens 122 Euro Krankenversicherung. Berufserfahrene mit vorheriger Vollzeitbeschäftigung können oft günstiger in der gesetzlichen Versicherung bleiben.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zum Zweitstudium finanzieren

Zählt ein Studium nach der Ausbildung als Zweitstudium?

Ja, sobald du eine abgeschlossene Berufsausbildung hast, gilt ein anschließendes Studium formal als Zweitausbildung. Für BAföG zählt jedoch: Wenn du nach der Ausbildung mindestens drei Jahre gearbeitet hast, bekommst du elternunabhängige Förderung. Die Förderungshöhe entspricht dann einem Erststudium.

Bekomme ich BAföG für ein Zweitstudium nach der Ausbildung?

BAföG für Zweitstudierende gibt es nur in Ausnahmefällen – etwa wenn dein Berufsziel den weiteren Abschluss zwingend erfordert. Nach einer Ausbildung mit anschließender Berufstätigkeit von fünf Jahren (davon drei nach Abschluss) erhältst du aber elternunabhängiges BAföG wie beim Erststudium. Die Förderung beträgt maximal 934 Euro monatlich.

Welche Kredite gibt es speziell für Zweitstudium nach Ausbildung?

Der KfW-Studienkredit steht allen Studierenden bis 44 Jahre offen, unabhängig von Vorbildung. Du kannst 100 bis 650 Euro monatlich beantragen. Private Banken wie DKB oder Deutsche Bank bieten Studienkredite bis 50.000 Euro Gesamtsumme. Berufserfahrene bekommen oft bessere Konditionen durch nachgewiesene Bonität.

Kann mein Arbeitgeber mein Studium nach der Ausbildung finanzieren?

Viele Unternehmen fördern berufsbegleitende Studiengänge mit 3.000 bis 8.000 Euro jährlich. Oft ist eine Verpflichtungserklärung nötig, nach dem Abschluss mindestens zwei Jahre im Betrieb zu bleiben. Auch Teilzeitmodelle mit reduzierter Arbeitszeit bei vollem Studienfortschritt sind möglich. Sprich konkret mit deiner Personalabteilung über Weiterbildungsbudgets.

Sind Studienkosten nach Ausbildung steuerlich absetzbar?

Ja, dein Studium nach abgeschlossener Ausbildung zählt als Zweitausbildung und alle Kosten sind Werbungskosten. Das umfasst Studiengebühren, Fachliteratur, Arbeitsmittel, Fahrtkosten und sogar Miete für ein Arbeitszimmer. Du kannst Verlustvorträge bilden und die Kosten nach Berufseinstieg mit höherem Einkommen verrechnen – das bringt oft Erstattungen von mehreren tausend Euro.

Fazit: Dein Weg zum finanzierten Zweitstudium

Das Zweitstudium finanzieren erfordert mehr Planung als ein reguläres Erststudium. Deine Berufserfahrung verschafft dir aber entscheidende Vorteile: elternunabhängige Förderung, bessere Stipendienchancen und höhere Nebenverdienste. Die Kombination aus staatlicher Förderung, günstigen Krediten und gezieltem Sparen macht dein Studium nach der Ausbildung realistisch.

Starte spätestens sechs Monate vor Studienbeginn mit der Finanzierungsplanung. Prüfe zuerst deinen BAföG-Anspruch, dann Stipendien und erst zuletzt Kredite. Dokumentiere alle Ausgaben für die Steuererklärung – das zahlt sich mehrfach aus.

Brauchst du weitere Unterstützung bei der Studienfinanzierung? Informiere dich über alternative Finanzierungswege, wenn klassische Optionen nicht greifen. Dein Studium nach der Ausbildung ist eine Investition in deine Zukunft – mit der richtigen Finanzierung wird sie bezahlbar.